
Wertvolle-Kinder-Vortrag: Resilienz bei Kindern fördern
Die beste Resilienzstärkung: die „Magie des Gewöhnlichen“
„Es geht nicht darum, nach einem schlimmen Erlebnis zum ursprünglichen Zustand zurückzukehren, sondern vielmehr um das Schaffen eines neuen Alltags“, erklärt Wolf. Sie nennt in diesem Zusammenhang den Begriff posttraumatisches Wachstum. Denn nach psychologischer Definition hat Resilienz viel mit Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu tun. Unter Umständen auch mit der Entwicklung neuer Werte. Diese Veränderungen können im Nachhinein sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern als positiv wahrgenommen werden.
Die drei Quellen der Resilienz
„Was ist im Leben von einzelnen Menschen passiert, dass sie nicht von den Belastungen, die ihnen widerfahren sind, erdrückt wurden – wie man es vielleicht erwarten würde?“
(Ungar 2021)
Diese Frage ist zentral, um herauszufinden, warum ein Kind resilienter ist als das andere. Die Gründe für Resilienz lassen sich in drei Quellen unterteilen und sind kulturübergreifend:
- Ich habe (Unterstützung von außen)
- Ich bin (innere, persönliche Stärke)
- Ich kann (soziale Fähigkeiten, Problemlösungsfähigkeiten)
„Ich habe“ bezieht sich beispielsweise auf Menschen, denen ein Kind vertrauen kann oder ein Haustier, bei dem es sich sicher fühlt. Es geht aber auch um eine Umgebung, in der es Strukturen und klare Regeln gibt. Um Vorbilder, die es stärken und ihm die Möglichkeit bieten, Autonomität zu erfahren.
„Ich bin“ ist ein Ausdruck dessen, was ich an positiven Eigenschaften in mir trage: Einfühlsamkeit gegenüber anderen Menschen, Respekt, Verantwortungsbewusstsein. Aber auch das Bewusstsein, dass ich ein liebenswerter und wertvoller Mensch bin.
„Ich kann“ mit jemandem über meine Ängste oder Dinge, die mich beschäftigen, reden. Es gelingt mir, Probleme zu lösen, meine Gefühle zu verstehen und meine Impulse zu regeln (=Selbstwirksamkeit). Ich kann andere Menschen einschätzen und vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen aufbauen.
Essenziell ist die Tatsache, dass alle drei Quellen nur durch die Anwesenheit verlässlicher Bezugspersonen genährt und erweitert werden können. Dabei kann es sich um die Eltern aber auch um andere Bindungspersonen handeln.

Das Interesse am Vortrag zum Thema Resilienz war riesengroß.
„Magie des Gewöhnlichen“ als beste Resilienzförderung
Eines ist Dr.in Verena Wolf wichtig: Die Stärkung der kindlichen Resilienz erfordert keine außergewöhnlichen Eltern und keine überdurchschnittlichen Kinder. Sichere Bindungen, ein Umfeld, in dem Probleme und Gefühle offen benannt werden und der Glaube in die Fähigkeiten des Kindes, seien genug. Resilienz stärken ist Kompetenzförderung. Besonders in jungen Jahren fördern wir als Eltern bzw. Bindungspersonen diese Kompetenzen unseres Nachwuchses. Später können das auch andere Menschen sein, wie Lehrer:innen, Freund:innen etc. Resilienzstärkung ist ein Prozess, der uns ein Leben lang begleitet. Womit wir uns außerdem abfinden müssen: „Nicht in jeder Situation sind wir und unsere Kinder gleich resilient.“
Resilienz bei Kindern fördern
Den ganzen Vortrag von Dr.in Verena Wolf, Klinische- und Gesundheitspsychologin; Notfallpsychologischer Dienst Österreich NDÖ; Leitung und Geschäftsführung (gemeinsam mit Univ.-Prof.in Dr.in Silvia Exenberger) Institut für Positive Psychologie und Resilienzforschung (IPPSY | ippsy.at), Innsbruck, gibt es zum Nachhören in der Mediathek des Vorarlberger Kinderdorfs:

Die Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs wird in Kooperation mit Russmedia und dem ORF Vorarlberg durchgeführt und vom Land Vorarlberg – Fachbereich Jugend und Familie – unterstützt.


